Klassentreffen der 64er vom 8. bis 10. September 2000

auf Langeoog

„Vorwärts in die Vergangenheit“

 

War das eine Überraschung im Juli dieses Jahres von einer ehemaligen Mitschülerin einen Anruf zu bekommen, mit der Frage: Sind sie derjenige, der mal in Langeoog zur Schule ging? Nach kurzer Klärung der Tatsachen war klar, dass ich gemeint war und es entwickelte sich daraus ein ½ stündiges Telefongespräch.

Schnell wurde geklärt warum es eigentlich ging. Die 68er unter der Federführung von Rainer Deckers hatten das Treffen organisiert. Im Internet auf www.langeoog-realschule.de waren inzwischen div. Seiten angefertigt. Durch mühevolle Suche und Kleinarbeit durch die beiden Macher Rainer Deckers und Jürgen H. Beensen (verantwortlich für das Web) konnte ich unheimlich viel Information aus dem Internet runterladen.

Klassenfotos von 1958 - 1984 waren abgebildet und ich hatte wirklich viel Mühe mich wieder an den einen oder die andere zu erinnern. Schließlich sind 36 Jahre ins Land gegangen ohne auch nur eine Information zu erhalten.

Für meinen Jahrgang war Rüdiger Thomas, (Zuckerwasser) der 7 Jahre das Inselleben genoss und die raue unmenschliche Art von Schulleiter Lauterbach zu spüren bekam, der Ansprechpartner schlechthin. Wir telefonierten mehrmals und so bekam ich noch den Tipp mich mit 2 weiteren Mitschülern in meinem Umkreis in Verbindung zu setzen, um sie auch mit auf den Trip nach Langeoog zu nehmen. Catherine und Helga waren sofort begeistert, dass wir gemeinsam am 8.9. die Reise „Vorwärts in die Vergangenheit“ anstreben wollten.

Auf der Insel endlich angekommen wurde erst mal von jedem das ausgewählte Übernachtungsziel aufgesucht bis wir uns dann um 19.00 Uhr im Bistro „Steuer-Bord“ trafen. Erst mal schaute man sich etwas unsicher um, denn 36 Jahre prägen einen Menschen schon gewaltig. Uns so war es nicht verwunderlich, dass man erst mal gar keinen kannte, bis plötzlich ein Aufschrei aus der Menge von fast 80 Leuten kam: „Mensch Gert ,ich werde wahnsinnig“. Mir in die Arme flog meine große Schülerliebe. Da wurde mir auf einmal bewusst, dass ich plötzlich 36 Jahre Vergangenheit und Erinnerung im Arm hatte. Ich freute mich wie ein Schneekönig und konnte mich nicht mehr einkriegen. Am Tisch saßen weitere 10-12 Personen, die ich nicht zuordnen konnte. Warum eigentlich nicht, wir hatten uns doch nur 36 Jahre nicht gesehen, das dürfte doch wohl nicht so schwer sein. Nichts von alle dem. Mein Kopf war leer. So nach und nach klärte sich aber alles langsam auf. Die Gedanken wurden klarer, nachdem Bilder getauscht und Erklärungen abgegeben wurden. Bei Bier, Wein und gutem Essen verging die Zeit wie im Fluge und bis 3.00 Uhr morgens wurde über die Vergangenheit gesprochen, diskutiert, verbal über die Lehrer hinweggezogen und Erinnerungen ausgetauscht.

Der 2. Tag, Samstag der 9.9. wurde relativ ruhig angegangen. Nachdem man sich um 12.00 Uhr am Wasserturm zum gemeinsamen Treffen der 63 - 68er eingefunden hatte, um das obligatorische Gruppenfoto zu machen, wobei nicht ganz klar war wo stehen die Fotografen bzw. die Schüler (50-60 jährigen); mal unterm Wasserturm, mal auf der abgeschrägten Wiese, es war chaotisch. Bin mal gespannt, wer das beste Foto geschossen hat.

Danach hatten wir beschlossen eine Fahrradtour zur Molkerei zu unternehmen. 9 Km dorthin quer durch die Dünen dünstete unseren noch teilweise mit Alkohol getränkten Körper ordentlich aus. Dort angekommen mussten wir uns regelrecht Plätze erkämpfen, denn der Tag war wunderschön und mit viel Sonne gesegnet. Somit kamen auch andere Inselbesucher auf die Idee mit Fahrrad diese Gaststätte aufzusuchen. Kurz gesagt, es war proppevoll. Rüdiger organisierte erst mal Getränke, um die ausgetrockneten Kehlen wieder geschmeidig zu machen. Würstchen im Stehen, Schinkenbrot und ........auf den Knien gegessen, sorgte für eine unkomplizierte Atmosphäre. Kaum war der große Hunger gestillt, gingen die ersten Witze über die Tische. Die Nachbarn, weittestgehendst Fremde wurden immer ruhiger weil wir mehr oder weniger den Laden bzw. die Terrasse im Griff hatten. Die Lachmuskeln wurde dermaßen strapaziert, dass es einem unserer Mädels die Stimme raubte. Aus einer schönen Frauenstimme wurde mittlerweile eine raue leicht verrostete Männerstimme. Nun, bei dem Temperament war das auch kein Wunder. Irgendwann muss man sich ja durchsetzen und wenn es erst auf dem Klassentreffen ist.

Nachdem der Rückweg mit viel Gegenwind überwunden wurde, mussten die Kehlen nochmals kurz geölt werden um den Weg zum Strandspaziergang gefahrlos zu genießen. Bei einem fast traumhaften Sonnenuntergang bei aufkommendem Wasser wurden die letzten Neuigkeiten ausgetauscht, um sich im Upstalsbom um 20.00 Uhr vorzubereiten.

Umgezogen, die Damen herausgeputzt, ging es daran das Buffett zu stürmen. Nach der strapaziösen Radtour war das kurzfristig geschehen Bei allerdings guten 30° C wurde so manchem warm und man kühlte sich durch wedeln mit der Speisekarte erst mal was ab.

Den Abschluss dieses Abends bildete dann eine Einkehr im Caffee Leiss. Hier wurden die letzten Erfahrungen und Erinnerungen noch mal wachgerufen.

Es kam wie es kommen musste. Sonntag, Abreisetag..... meine Güte, was stand mir bevor? Nach dem Frühstück trafen wir uns um 10.30 Uhr am Bahnhof der Inselbahn. Einige wollten noch bis abends bleiben um noch weiter in Erinnerungen zu schwelgen. An Bord von Langeoog II wurde noch mal Revue passiert und ich dachte schon mit Grauen an den Abschied und die Trennung. Bensersiel; tja, da waren wir im Hafen, ich hab`s befürchtet.

Nach 2 tollen Tagen mussten wir alle leider voneinander Abschied nehmen, nicht mit dem Versprechen uns möglichst bald und häufiger zu besuchen. Tschüss hier, bis bald da, komm doch mal vorbei oder gib mir doch schnell noch Deine Handy-Nummer wurde ein Wiedersehen mit allen spätestens in 5 Jahren verabredet. Auch ich musste mich von meiner ersten große Liebe, die Lauterbach durch seine unnachahmliche Weise getrennt hat, verabschieden. Viel Schmerz und Tränen beendeten ein traumhaftes Wochenende.  11.09.2000 -  Gert Kurrat 64er

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