|
Es
war einmal:
Impressionen
|
1.Klassentreffen
nach 41 Jahren der Klassen des Abschlussjahrganges März 1959 der privaten
Internatsrealschule Langeoog,
am 1.-2. April 2000 in Osnabrück im Hotel Walhalla. |
| >
Bilder und Presseberichte hierzu am Seitenende
< |
Der 14. März 1959, ein Sonnabend, war für
viele von noch 46 verbliebenen Internatsschülern der privaten Realschule aus
2 Parallelklassen das Ende einer sehr schönen Schulzeit auf der Nordseeinsel
Langeoog. Mit einer festlichen Verabschiedung im Kurhaussaal wurden wir in das
Leben entlassen. Zum Teil
mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Die Kindheit neigte sich dem
Ende zu. 10 weitere Schüler hatten bereits schon vorher aus verschiedensten
Gründen die Schule verlassen. Nun waren wir an der Reihe.
Damals wohnten die vom „Festland“ in sogenannten Schülerpensionen
mit 6-18 Schülern (Heim Gerdes, Diepenbrock, Rinjes, Krall, Lüken,
Wilhelmstein, Bergschlößchen, etc.) wo die Heimeltern in der Nebensaison so
zusätzlich Nebeneinkünfte eben durch Schüler hatten. Beaufsichtigt wurden
wir durch zugeteilte Lehrer. 1957
zahlten die Eltern monatlich 230DM Schul- und Pensionsgeld + 15 bis 20DM
Taschengeld, die vom Lehrer verwaltet wurden. Die Schule hatte so ungefähr
150 Schüler, die noch in einer alten hölzernen Fliegerbaracke hinter der
kath. Kirche unterrichtet wurden. Das überaus gesunde Seeklima, wichtig für
junge Kinder, die im Krieg geboren, manche Entbehrung hatten hinnehmen müssen,
war im Preis inbegriffen.
Beim Abschied versprach man, sich alle Jahre Pfingsten
hier in der Strandhalle wieder zu treffen. Größere Beteiligung wurde an
sogen. 5 Jahressprüngen vereinbart. Somit waren eigentlich keine Einladungen
erforderlich, dachten wir. Wenige trafen sich noch einige Jahre regelmäßig
zu Pfingsten und dann geschah, was wohl halt auch auf Inseln so üblich ist,
die Treffen versandeten und Dünengras wuchs darüber, wie bei unserer
leerstehenden, inzwischen abgebrannten, alten Holzbarackenschule auch.
Die Jahre vergingen. Aus Jugendlichen wurden Erwachsene, Ehepartner,
Eltern, Großeltern. Karrieren
wurden angestrebt und erreicht oder auch nicht. Man bereiste die ganze Welt
und blieb hier und dort hängen. Im Nu waren 40 Jahre vorbei und alle
unbekannt verstreut. Nur etwa 3 Ehemalige pflegten wirklich intensive Kontakte
zu jeweils einem anderen Ehemaligen und nur ein Klassenpärchen hat
geheiratet, Frauke Mansholt und Kurt Lohmeyer. Bei der Suche mußten wir
leider auch erfahren, daß ein Mitschüler, unser Joachim Meinen nicht mehr
unter uns ist, er verunglückte bereits 1964 tödlich, viel zu jung.
Als ich, Andreas Haupt, ein Ehemaliger der 10a aus Bargteheide (damals
aus Hamburg) mich nun Pfingsten 1999, (40 Jahre später), nach Langeoog
aufmachte, einen großen Menschenauflauf vorzufinden, war nicht ein einziger
am Pfingstsonnabend in der Strandhalle zu finden. Die Strandhalle, ist
inzwischen gar keine große Halle mehr und Tanz ist dort scheint’s auch verpönt.
Auf dem Schiff meinte ich schon, 2 wiedererkannt zu haben und sprach sie an,
vergeblich. Dabei dachte ich mir schon, die müssen sich alle ganz schön
stark verändert haben (weniger oder weiß/graue Haare, dick oder mager, vom
Leben gezeichnet). Ich unterließ daraufhin weitere Versuche.
Pfingsten war ich nun Gast in meiner
ehemaligen Heimstätte, nun dem Hause meiner ehemaligen Klassenkameradin,
Studienrätin Antje Gerdes (die Eltern, Theda und Siemen Gerdes führten
damals das Heim Gerdes in der Friesenstraße 2). Hier fand ich mich in eine
Zeit um 40 Jahre zurückversetzt. Ich fühlte mich wohl. Hier entstand dann
auch Pfingstsonntag mit Antje gemeinsam die Idee, man müßte doch noch ein
Klassentreffen zustande bringen können. Nun galt es die Adressen von 46
Ehemaligen und 10 eigentlich dazugehörigen ausfindig zu machen. Diese Aufgabe
übernahm ich. Ich wollte es wissen, ob das möglich ist. Wenn ich
mindestens 50 % ausfindig machen könnte, wollte ich das als Erfolg sehen, ein
solches Treffen zu organisieren.
Mit Mitteln der Datenverarbeitung vertraut (Datenschutzbeauftragter),
sann ich nach und begann mit den ersten Aufstellung von genau 5 Adressen, die
vorlagen. Nun galt es erst einmal ein komplette NAMENSLISTE aller Mitschüler
der 10a+b und vorzeitig abgegangenen Schüler zu finden. Die damalige
Klassenlehrerin Frau Charlotte Pönitzsch Jahrgang 1913 wurde in Bad Harzburg
ausfindig gemacht. Über Hans Jochen Voß Langeoog erhielt ich die letzten
beiden offiziellen Klassenbilder, die dieser noch aus der alten Schule retten
konnte. Auf der Rückseite fanden sich dann die Vor- und Nachnamen (aber
unvollständig und z.T. noch falsch). Über CD-ROM-Adressbücher der Telekom,
CD-INFO und über das Internet betriebene Recherche ließen sich die Adressen
von Männern recht zügig erfahren. Bei den Frauen war das ungleich
schwieriger.
Als Strohwitwer hatte ich 3 Wochen Zeit und
ganze Nächte verwendet, um im
Internet und auf CD-ROMS (Adress-Disketten) die Anschriften zu suchen. Die
Telefonkosten gingen in der Zeit rapide in die Höhe. Suchen Sie mal einen
Jens Meyer im norddeutschen Raum. Doch jeder Erfolg spornte mich an, weiter zu
suchen.
Mit dem Einverständnis der Betroffenen wurden Anschriftenlisten
erstellt mit Angaben über Geburtsdaten, Familienstand, Beruf, Anz.
Kinder/Enkel etc.. Nun bekam die Suche eine gewisse Eigendynamik. Kontakte zu
Mitschülern anderer Jahrgänge und sogenannten Jahrgangssprechern verhalfen
zu weiteren Adressen, die z.T. über unsere etwas wußten bzw. Kontakte
pflegten. Diese Adressen von 60er und 61er Jahrgängen behielt ich auch und
pflege sie heute noch in einem separaten Bestand.
Mein Ziel, 50 % müßten zu schaffen sein,
erreichte ich bereits im September 1999. Ich machte sogar unseren
Mathematiklehrer Herrn Kurt Früchtl über das Internet als emeritierter
Professor in Wien aus, nachdem bekannt war, daß er Österreicher war. Die
Schwierigkeit begann mit dem Ablegen von Mädchennamen durch Heirat oder gar
Wiederheirat. Wo suchen?
Eine Schlußfolgerung war, auf ein Internat gehen die Kinder reicher
Leute; solche, wo Arbeitgeber der
Eltern dieses bezahlen; Kinder, die woanders von der Schule flogen, das
Klassenziel nicht erreichten oder „schwerer“ erziehbar waren. Um 1941
geborene Kinder sogenannter „reicher Eltern“ dürften demgemäß heute
evtl. auch noch in der gleichen Adresse Ihrer damaligen Eltern wohnen. Also über
diese Adresse die Telefonnummer zu erlangen, dort anzurufen und zu fragen ob
hier jemand mit diesem Mädchennamen bekannt ist oder wohnte, verhalf auch in
einigen Fällen mit Hilfe von D-Info CD’s zum Erfolg. Hier kannte diese dann
wieder eine Klassenkameradin, usw. usw..
In anderen Fällen war ein ausgefallener Nachname mit einer Stadt
verbunden. Über das Internet wurden dann 3 oder 5 Adressen in dieser Stadt
aufgezeigt und häufig bekam man über ansässige Verwandtschaft den
entscheidenden Hinweis. In einem anderen Fall haben wir eine Anzeige im
Lokalblatt geschaltet: Renate Gassner
gesucht, Klassentreffen Langeoog. 2 Tage später hatten wir die Adresse,
seit über 30 Jahren verheiratet in England.
Ein anderer wurde immer Robby gerufen, hieß aber Hans-Heinrich, was
keiner wußte. 2 Tage vor dem Klassentreffen wurde dies bekannt und der Mann
gefunden. Manchmal wurde jemand auch über e:mail dem elektronischen Brief angeschrieben und
verblüfft. Aber immer war große Freude mit dem Wiederfinden verbunden. Nur
einer will keine Verbindungen mehr aufnehmen. Auch das ist zu akzeptieren.
Alle diese Bemühungen führten zum Erfolg, 95% der Adressen von 56
Ehemaligen konnten so seit Pfingsten 1999 ermittelt werden. Nur 4
Personen sind bis heute nicht gefunden worden, es sind dies Ingrid
Günther, Botho Schmidt, Ulrich Breitkreuz, Renate Singer. alle ca. Jahrgang 1941. Wer sie kennt, bitte meldet
Euch bei uns.
Warum nun Osnabrück?. Ziel war, so
viele wie möglich zum Kommen zu animieren. Ein Klassentreffen auf der
Insel lag nahe, aber der Weg und der Aufwand wären für den einen oder
anderen zu weit und zu hoch gewesen. So entstand die Idee, den geographisch
zentralsten Ort von allen
Wohnorten zu suchen, dieses ist Osnabrück, wo wir 3 Mitschüler
haben. An einem Tag sollte An- und Abreise für die Mehrheit möglich
sein ohne zwingende Übernachtung. Und schnell sollte dieses Treffen
stattfinden, da wir unsere beiden dem Alter vorauseilende Klassenlehrer gerne
dabei haben wollten.
Babs Klusmann geb. Hülsmeier (Galerie Th. Hülsmeier
in der Hegerstr.7-9) organisierte nun im wunderschönen 300 Jahre altem Hotel
Walhalla dieses für den 2. April 2000 anberaumte 1. Klassentreffen nach 41
Jahren. Die Schwierigkeit bestand darin, wieviel werden wohl kommen, nach so
langer Zeit, wie ist zu planen, kommt die Mehrheit mit Begleitung? Die
Bandbreite lag zwischen 20 und 80 Personen. Den Sonnabend haben wir dann mit
einbezogen, um weit Anreisenden schon abends die Möglichkeit zum Plausch zu
bieten. So waren wir denn am Sonnabend bereits über 25
Personen und plauderten bis tief in die Nacht. Die Themen gingen nicht
aus.
Der offizielle Teil begann am 2. April um 10.30 Uhr. Nun strömten sie
in Scharen, von nah und fern. 41 Schüler und Schülerinnen trafen sich, dazu
kamen noch 9 Ehepartner, die sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen
wollten und dabei blieben. Jeder neu Eingetroffene wurde mit großem Hallo
begrüßt und geherzt und gedrückt, begutachtet und intensiv beäugt. Der
Name war sofort auf allen Lippen, aber teils Erstaunen, Ungläubigkeit aber
auch sofortiges Erkennen wechselte bei jeder Neuankunft. Lichter werdende
Haaresfülle oder auch ins graue oder weiße wechselnde Haarfarben erschwerten
so manches spontane Wiedererkennen aber nur kurzfristig. Ausgegebene
Namensschilder erleichterten schließlich das Erkennen und die direkte
Ansprache auch noch. Die Begrüßungen wollten nicht enden. Unsere beiden
Lehrer erinnerten sich an jeden unserer Namen. Im Atrium des Hotels wurden bei
Sonne die berühmten Erinnerungsfotos geknipst. Unser extra aus Finnland
angereister Winfrid Zakowski, genannt ZAK oder Mehlauge (Finnischer
Starfotograf für Schmuckaufnahmen, ehem. in Heim Gerdes) machte dann auch
noch Aufnahmen, die wohl hoffentlich eine gewisse Garantieerklärung
beinhalten (ja, Foto liegt bei). Ist nicht bei solch unwiederbringlichen Anlässen
häufig der Film voll oder gar nicht eingelegt oder weiter transportiert, die
Kamera defekt, der Deckel auf der Linse, die Batterie alle, die Bilder
verwackelt, usw. usw. ? Wer kennt das nicht.
Ein Brunch (Breakfast and Lunch) wurde zu unserem Treffen
ausschließlich für uns bereitgestellt, so daß man immer (4½ Std.)
Essen und trinken konnte und zugleich klönen und zuhören. Mit dem ausgewählten
Hotel haben wir einen Glücksgriff getan. Es trug mit seinem Ambiente und der
freundlichen und zuvorkommenden Bedienung maßgeblich zum Wohlfühlen und
Gelingen dieses Treffens bei.
Die Veranstalter und Organisatoren Babs Hülsmeier und Andreas Haupt
begrüßten die beiden Klassenlehrer und alle Anwesende. Es wurde der
inzwischen verstorbenen Lehrer und unseres Mitschülers gedacht.
In kleinen Einlagen erfolgte die Verlesung von Briefen entschuldigt
abwesender Schüler, die gerne dabei gewesen wären. Dazu wurde jeweils ein
aktuelles Bild aus heutiger Zeit in Umlauf gebracht. Die Tonbandaufnahme der
Abschiedsrede von 1959 unseres Klassensprechers Manfred Richter hatte Frau Pönitzsch
aus ihrem Archiv ausgegraben, auf Kassette überspielt und es wurde uns noch
einmal vorgespielt. Herr Prof. Früchtl aus Wien hatte extra seinen auch über
41 Jahre alten Schmalfilmprojektor mitgebracht und uns einen Film aus
damaliger Zeit von der Insel mit bewegenden Bildern vorgeführt. Nachdem Hans
Jochen Voß und seine Frau nun auch noch hübsche Langeoogtaschen mit
Prospektmaterial, Kugelschreiber und Sticker der Insel an jeden verteilten,
entstand nun schon fast das Gefühl von Heimweh und es war zu spüren, da möchten
einige doch noch mal wieder hin. Es lohnt sich wirklich !!
Nach ganz kurzer Wiedersehenszeit waren wir uns alle sofort ziemlich
nahe und kaum noch fremd. Uns verband doch ein sehr wichtiger Zeitabschnitt
unserer gemeinsamen Jugend. Wir hatten
fast alle Freiheitsgrade (ohne elterliche täglich Aufsicht), in einer
bevorzugten Naturumgebung, von denen andere Kinder nur träumten. Dennoch
wurde diese Freiheit wirklich nur ganz selten ausgenutzt oder überschritten.
Die Konsequenz war der Rausschmiß oder das consilium abeundi (der Ratschlag,
abzugehen). Einige solch‘ Überlebender gab es bei uns auch.
Fazit,
es war rundum ein erwartungsvolles, fröhliches, harmonisches rundes
Klassentreffen, ohne Langeweile oder Pausen. Es war die Mühe wert und ist
nachahmenswert und sollte auch Ansporn sein für solche, die ähnliche Überlegungen
haben. In unserer Zeit mit scheint’s zunehmend persönlicher Entfremdung
sind solche Veranstaltungsereignisse Salbe und Urlaub für die Seele.
Nur wer will, kann etwas erreichen. Der Leitspruch war
„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es"
Wie geht es weiter? So wollen wir uns 2004, also in 4 Jahren entweder
Pfingsten oder Anfang September (kein mehr so starkes Reizklima wie Pfingsten)
erneut treffen. Die aktualisierte
Adressübersicht überläßt es aber jedem, zu gratulieren, sich auch
zwischendurch mal zu schreiben, zu telefonieren oder zu treffen oder
Insel-Impressionen zu genießen und in Erinnerungen zu schwelgen. Ich glaube,
ein kleines Klassentreffen könnte vielleicht doch schon nach 2 Jahren
stattfinden. Aber die Besonderheit des ersten Eindruckes oder des ersten Males
läßt sich nicht wiederholen und das ist gut so. So ist unser Treffen auch
schon wieder Vergangenheit. Eben, es
war einmal, vor einigen Tagen...ein sehr schönes erstmaliges
Klassentreffen.
Mit fortschreitender Zeit wird auch das Internet
für immer mehr Menschen zur Normalität gehören. Wer sich jetzt schon traut,
unsere Schule ist bereits im Internet vertreten www.langeoog-realschule.de
8 Jahrgänge haben bereits ihre Klassenfotos dort hinterlegt (wir auch).
Weitere Informationen und Bilder aus der Vergangenheit sind dort zu finden.
Schülerstreiche, Schulordnung und Hinweise auf zukünftige
und erfolgte Klassentreffen. Auch wir werden dort mit unserem Ereignis
registriert sein :
1.Klassentreffen
nach über 41 Jahren !
Bericht
von: Andreas
Haupt ( 59 er ), im Juli 2000